Wiederbelebung der transsaharischen Gaspipeline wirft Fragen zur künftigen Energieversorgung Europas auf

Die Wiederbelebung der transsaharischen Gaspipeline wirft Fragen zur künftigen Energieversorgung Europas auf. Das Projekt könnte Europas Abhängigkeit von russischem Gas verringern, steht aber vor großen Hürden.
Die Pipeline war jahrelang immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen, ohne dass nennenswerte Fortschritte erzielt wurden. Es wurden Abkommen unterzeichnet, Fristen angekündigt und dann verschoben. Nun, nach einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Algerien und Niger, ist das Projekt auf die Tagesordnung aller drei beteiligten Länder zurückgekehrt.
Für die europäischen Märkte geht es weniger um den Bau selbst als vielmehr um die Frage, was das Projekt bedeuten könnte, wenn es schließlich abgeschlossen wird.
Die geplante Strecke würde sich über mehr als 4.000 Kilometer erstrecken und Nigerias riesige Gasreserven mit dem algerischen Exportnetz verbinden. Das Gas könnte dann über bestehende Verbindungen quer durch das Mittelmeer nach Südeuropa gelangen, vor allem nach Spanien und Italien.
Bei voller Kapazität soll die Pipeline jährlich rund 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas transportieren. Das würde die europäische Versorgungsstruktur zwar nicht grundlegend verändern, aber zu einem Zeitpunkt, an dem der Kontinent weiterhin nach Alternativen zu russischer Energie sucht, eine weitere beträchtliche Quelle für Pipelinegas hinzufügen.
Das Projekt hat seit dem Krieg in der Ukraine, der die europäische Gaseinkaufsstrategie verändert hat, wieder an Bedeutung gewonnen. In den letzten Jahren haben die EU-Länder ihre LNG-Importe ausgeweitet und neue Lieferanten in Afrika, dem Nahen Osten und Nordamerika gesucht. Zusätzliche nigerianische Mengen könnten in diese breitere Diversifizierungsbemühungen passen.
Einige Analysten sehen einen weiteren möglichen Effekt. Mehr Gas, das über Algerien ankommt, könnte den Wettbewerb unter den Lieferanten in Europa, insbesondere im Mittelmeerraum, verschärfen. Größere Angebotsoptionen führen oft zu stärkeren Verhandlungspositionen für die Käufer, obwohl viel von der zukünftigen Nachfrage und den Marktbedingungen abhängen würde.
Algerien könnte zu den Hauptprofiteuren gehören. Das Land nimmt bereits einen wichtigen Platz im europäischen Energiesystem ein, und der Zugang zu nigerianischem Gas würde seine Rolle als Transit- und Exportdrehscheibe stärken. Für Nigeria würde das Projekt einen neuen Weg zu europäischen Kunden über die bestehenden LNG-Exporte hinaus eröffnen.
Auch der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Die Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit sind in ganz Europa weiterhin hoch, während die Instabilität in mehreren Teilen der Welt die Anfälligkeit der globalen Lieferketten deutlich gemacht hat. In diesem Umfeld haben Projekte, die Europa mit nahe gelegenen Förderregionen verbinden, wieder politisches Interesse geweckt.
Doch die Hindernisse, die die Pipeline jahrelang verzögert haben, sind nicht verschwunden.
Große Abschnitte müssen noch gebaut werden, darunter Strecken, die durch entlegene Wüstengebiete führen. Die Sicherheit bleibt in Teilen Nigerias und Nigers ein Problem, wo bewaffnete Gruppen weiterhin aktiv sind. Die Finanzierung ist ein weiteres ungelöstes Problem. Die Kostenschätzungen sind seit der ersten Vorstellung des Projekts erheblich gestiegen, und einige Branchenexperten gehen inzwischen davon aus, dass die Gesamtrechnung bei nahezu 20 Milliarden Dollar liegen könnte.
Die transsaharische Route läuft auch in einem Wettlauf gegen die Zeit. Marokko fördert einen separaten Gaskorridor, der Nigeria über die Atlantikküste Westafrikas mit Europa verbindet. Obwohl auch dieses Projekt mit eigenen technischen und finanziellen Herausforderungen konfrontiert ist, zielen beide Initiativen letztlich auf denselben europäischen Markt ab.
Ob Europa letztlich Gas über eine Route, beide Routen oder gar nicht erhält, bleibt ungewiss. Die Energienachfrage kann sich schnell ändern, und langfristige Infrastrukturprojekte sind oft mit sich ändernden wirtschaftlichen Realitäten konfrontiert. Gaspreise, die heute sinnvoll erscheinen, könnten in einigen Jahren ganz anders aussehen.
Dennoch hat der Wiederbeginn des Baus die Transsahara-Gaspipeline zurück in die Diskussionen über das zukünftige Energiegleichgewicht Europas gebracht. Nach jahrelangen Verzögerungen wird das Projekt nicht mehr nur als afrikanisches Infrastrukturprojekt betrachtet. Zunehmend wird es unter dem Gesichtspunkt bewertet, was es für die europäische Versorgungssicherheit, den Wettbewerb und den Zugang zu neuen Gasquellen im kommenden Jahrzehnt bedeuten könnte.