Ukraine erhält 3,2 Milliarden Euro als erste Tranche des 90-Milliarden-Euro-Unterstützungskredits der EU
Ukraine erhält erste Tranche von 3,2 Milliarden Euro aus EU-Darlehen. Zweite Tranche für Drohnenproduktion angekündigt. URC 2026 in Danzig: EU-Flaggschiff-Fonds gestartet.
Dieses Geld wird dazu beitragen, die Haushaltslücken Kiews zu decken und die finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Eine zweite Tranche in Höhe von rund 6 Milliarden Euro, die für die Drohnenproduktion vorgesehen ist, soll in den kommenden Tagen vorgestellt werden.
„This is indeed solidarity in action. It shows Europe’s support for Ukraine is here to stay“, fügte von der Leyen hinzu.
Am ersten Tag der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (URC 2026) in Danzig, Polen, wurden mehrere für die europäische und ukrainische Wirtschaft wichtige Erklärungen abgegeben.
Die ukrainische Premierministerin Julia Swyrydenko kündigte an, dass während der zwei Tage der URC 2026 die Unterzeichnung von über 160 Vereinbarungen im Wert von 10 Milliarden Euro geplant sei.
„The funds will have an impact on many dimensions of regional and business development“, erklärte Julia Swyrydenko.
Neuer Fonds für die Ukraine
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte die Einführung des Europäischen Flaggschiff-Fonds für den Wiederaufbau der Ukraine an. Er wurde gemeinsam von der Europäischen Union, Polen, Frankreich, Deutschland und Italien initiiert. Der Fonds soll mittelfristig über 1 Milliarde Euro für Investitionen in strategische Sektoren in der Ukraine verfügen – im Jahr 2026 zunächst rund 500 Millionen Euro.
„The money will be invested in the most strategic sectors: clean energy, infrastructure, and dynamically developing companies that will drive the Ukrainian economy in the coming decades“, sagte die EU-Politikerin.
„European support for Ukraine is essential for the country's survival. We call on all our partners to continue their assistance, because a strong and independent Ukraine is in our interest“, betonte Ursula von der Leyen.
Die EU-Kommissionspräsidentin erklärte, dass die EU nicht nur der Ukraine und Europa helfen wolle, sondern auch die Entwicklung und den Wohlstand der Ukraine als freies, europäisches Land unterstützen wolle. Deshalb sei die EU zum größten Investor dort geworden und teile gleichzeitig das ukrainische Risiko. „We are helping rebuild cities, supporting the resilience of the electricity sector, and financing businesses – including those in regions on the front lines“, fügte sie hinzu.
Wiederaufbau der Ukraine als Chance für die europäische Wirtschaft
„Public capital will take on the initial risk, which will provide the stability necessary to attract investors and scale projects. The message to investors is very simple: by investing in Ukraine, you are not investing solely in Ukraine's future. You are investing in Europe and its secure future. Ukraine's reconstruction and growth are in the interest of all of us – they are in the interest of all of Europe“, sagte die EU-Kommissionspräsidentin.
„Ukraine is driving and transforming defense, energy, and reconstruction across Europe“, sagt die ukrainische Premierministerin Julia Swyrydenko. Sie betont, dass die Ukraine letzte Woche ihr erstes Verhandlungskapitel für den Beitritt zur Europäischen Union eröffnet habe.
„True reconstruction must focus on people – creating high-quality jobs, rebuilding the education system, providing support to veterans, people who have experienced war trauma, and other vulnerable groups. Those in need of special assistance“, sagt EU-Ratspräsident António Costa. Der Wiederaufbau bedeute, eine bessere Ukraine wieder aufzubauen.
„We are laying the foundations for a modern, ecological, and digital economy that will strengthen the entire European continent“, betonte António Costa.
Danzig wurde bewusst gewählt
Die Stadt traf der Zweite Weltkrieg als eine der ersten. Von 1939 bis 1945 wurde die Stadt schwer beschädigt. Die sowjetische Rote Armee bombardierte und beschoss Danzig während der Ostpommern-Offensive im März 1945 schwer. Fast 90 % der Stadt wurden zerstört, mehr als 80 % der Gebäude im historischen Zentrum waren stark beschädigt.
„I invited you and our friends from Ukraine to this very place because it shows that the miracle of reconstruction happens when people truly desire it, when they are able to fight for peace, when they are determined to do good“, erklärte der polnische Premierminister Donald Tusk. „Gdańsk was raised from the ruins and became the best, and globally most complete, reconstruction. Not only architecturally. The city's spirit was also restored, and this great effort awaits Ukraine as well“, so Tusk.
Dem offiziellen Teil des Treffens ging ein geschlossenes Ministertreffen der Geberplattform für die Ukraine voraus.
Das diesjährige Programm war in thematische Abschnitte unterteilt: Wirtschaft, Sicherheit und Verteidigung, Integration in die Europäische Union, Regionalentwicklung und Humankapital.
Die Ukraine-Wiederaufbaukonferenz ist ein großes internationales Forum für den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg. Ziel der Konferenz ist es, die internationale Unterstützung für den Wiederaufbau des Landes, das sich seit 2022 gegen die russische Aggression verteidigt, zu stärken und Investitionen in die ukrainische Wirtschaft anzukurbeln.
Schatten der Vergangenheit
Die URC-2026 in Polen findet vor dem Hintergrund eines beispiellosen Streits zwischen Kiew und Warschau und zunehmend angespannter bilateraler Beziehungen statt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird den zweitägigen „URC-2026“ auslassen, da sich der Riss mit Warschau über die Benennung einer speziellen Militäreinheit nach „UPA-Helden“ vertieft. Als Reaktion kündigte der polnische Präsident Karol Nawrocki an, Selenskyj den höchsten polnischen Staatspreis, den Orden des Weißen Adlers, aberkennen zu wollen.
Für Polen wird der UPA (Ukrainische Aufständischenarmee) vorgeworfen, in den 1940er Jahren auf Wolhynien (ukr. Wolyn, pol. Wołyń, vor und im Zweiten Weltkrieg polnisch, heute ukrainisch) Polen getötet zu haben. Offiziell bezeichnet die polnische Geschichtsschreibung dies als das Wolhynische Massaker. Im Juli 2016 verabschiedete der polnische Sejm eine Resolution, die die Wolhynien-Tragödie als Völkermord „durch ukrainische Nationalisten an Polen“ anerkennt.
Für die Ukraine ist die UPA ein Symbol des antisowjetischen und antinazistischen Widerstands und eines heroischen Kampfes um Unabhängigkeit. Die Ukraine erinnert daran, dass auch ukrainische Zivilisten bei der Wolhynien-Tragödie durch die polnische Heimatarmee getötet wurden.
Ukrainische und polnische Historiker diskutieren noch immer darüber, wer schuld war und wie viele Zivilisten beider Nationalitäten starben.
Quelle: <https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_26_1452>